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IM CAFÉ

Es ist etwas ganz anderes, wenn man sich im Café trifft.


Du auf der einen Seite des Tisches, ich auf der anderen. Eine Blume steht in der Mitte, lila im silbernen Topf. Sie wackelt, als wir uns hinsetzen.


Es ist etwas ganz anderes, wenn man sich im Café trifft, weil man eben im Café ist – nicht zu Hause zwischen Mülltüten, Abwasch und schleudernder Waschmaschine, nicht im Büro, die Gespräche unterbrochen vom stetigen Pling des E-Mail-Programms, auch nicht mitten auf der Straße, wo die Leute vorbeilaufen und starren.


Im Café kann man es ewig aushalten – es gibt nichts zu tun, außer sitzen, sprechen, essen, trinken. Man wird bedient, man muss lediglich aufstehen, um auf Toilette zu gehen. Dann lässt man sich wieder in den Polstersessel sinken und weiter geht’s.


Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass wir uns hier treffen. Ich habe mir das alles ausgemalt im Kopf, vielleicht ein bisschen zu stürmisch, so wie als Kind: immer über die Ränder gekritzelt. Da kannten wir uns schon, und schon damals wusste ich, was passieren soll.


Deine Augen auf meinen.


Die Kellnerin kommt, fragt.


Du erinnerst dich ans Menü, schaust kurz, dann gleich wieder zu mir.


Sie muss dreimal wiederkommen und selbst dann bist du zu abgelenkt, um dich zu entscheiden.

Also wähle ich für dich, einen Eiskaffee, wie für mich, und das Muttermal knapp neben deinem Mundwinkel wandert nach oben.


Eiskaffee ist natürlich genau das Richtige bei dem heißen Wetter, wir sprechen über alles, ich mehr als du, und du hörst so fasziniert zu, dass du deinen Eiskaffee vergisst, ich ebenfalls. Irgendwann stehen wir auf, vergessen zu zahlen, laufen einfach um die Ecke, dann fällt es uns ein, wir lachen und rennen los und du sagst: „Eigentlich haben wir ja gar nichts getrunken“ und wir lachen noch mehr, drehen beim Rennen eine Pirouette und küssen uns.


Stattdessen sitzen wir hier, die lila Blume wackelt immer noch, sonst bewegt sich nichts, dein Blick starr auf dem Nachbarstisch, als läge dort etwas Spannenderes als eine tote Fliege neben dem Aschenbecher.


Und mein Blick auf dir, fasziniert, obwohl du nicht sprichst, und gierig danach, dass etwas passiert, doch es passiert nichts.


Im Café kann man es nicht lange aushalten, weil es nichts gibt außer sprechen, essen und trinken. Ich gehe aufs Klo, dann habe ich immerhin etwas zu tun, aber nur kurz.

Als ich zurückkomme, hast du schon bestellt, einen Tee, und du hast ihn fast ausgetrunken – scheinbar, ohne dich zu verbrühen. Oder du hast dich verbrüht, dein Hals fühlt sich an wie aufgerissen, aber das nimmst du in Kauf, um gleich vor mir auszureißen?


Ich setze mich.


Da stellst du die Tasse ab, das Muttermal an deinem Mundwinkel wandert nach oben. Dann beugst du dich vor, über die lila Blume, und küsst mich.

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